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[Home]Amerikanische Filmgeschichte/1910er Jahre

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Vorgeschichte

Internationale Entwicklung

In der Zeit bis 1912 waren die amerikanischen Firmen vollauf mit der inländischen Konkurrenz beschäftigt. Erst danach stieg ihr Einfluß auf dem Weltmarkt. Und zwar so rapide, daß sie bereits 1914, zu Beginn des [ersten Weltkriegs]?, die Hälfte der Welt-Filmproduktion stellten. Der harte Wettkampf zwischen dem [Edison Trust]? und den Independents“hatte wirksame Instrumente geschaffen, die, am nationalen Konkurrenten erprobt und verfeinert, nun mit zunehmender Härte die internationalen Mitbewerber trafen. Dennoch war die Vormachtstellung Hollywoods längst nicht unangreifbar, erst eine politische Entwicklung verschaffte ihr die nötige Ruhe zur Restrukurierung: Der Krieg in Europa.

Die französische Filmproduktion, Hauptkonkurrent der Amerikaner, kam mit dem Ausbruch des Krieges sofort und vollständig zum Erliegen, denn Pathé wandelte seine Rohfilm-Fabrik in eine Munitionsfabrik um und seine Studios in Kasernen. Ähnlich, aber weniger extrem, brach die italienische Produktion beim Kriegseintritt des Landes 1916 ein. Nachdem abzusehen war, daß der Krieg sehr lange dauern konnte, bemühten sich die Franzosen zwar, wieder ins Geschäft zu kommen, aber die Position, die sie vor Ausbruch des Krieges hatten, erreichten sie nicht mehr. Zudem beschloß das [Deutsche Reich]? 1916 das generelle Filmeinfuhrverbot, was die europäischen Filmnationen ihres wichtigsten Absatzmarktes beraubte. Auch der Export nach Übersee gestaltete sich zunehmend schwierig, denn die Militärs beanspruchten viele Transportkapazitäten für sich. Außerdem führten deutsche U-Boote und kleinere Kreuzer einen Handelskrieg gegen die Entente-Mächte, wobei auch zivile Frachter versenkt wurden, da man die Entente verdächtigte, sie für Waffenlieferungen zu mißbrauchen (z.B. die Versenkung der „Lusitania“).

Nationale Entwicklung

Die Macht der MPPC ist 1914 bereits weitgehend gebrochen, die später folgenden Gerichtsurteile sind nur noch Formalitäten. Sowohl die nationale als auch die internationale Konkurrenz der Independents sind also ausgeschaltet. Man verliert zwar einen Teil des europäischen Absatzmarktes, aber der Bedarf an frischen Filmen innerhalb der USA ist höher als in ganz Europa zusammen, so gibt es beispielsweise 1916 bereits ca. 28.000 Kinos. Auch in der übrigen Welt nehmen die Hollywood-Firmen eine dominierende Stellung ein, sie stellen zum Beispiel einen Großteil der in Australien? und Südamerika? gezeigten Filme, die ab ca. 1916 direkt vertrieben werden (früher war es üblich, an lokale Zwischen händler zu verkaufen).

Oligopolisierung

Nach Robert C. Allen und Douglas Gomery basiert der freie Wettbewerb zwischen Firmen auf vier Punkten:

1. Der Austauschbarkeit der Produkte
2. Dem geringen Marktanteil der einzelnen Firmen
3. Dem Fehlen von Wettbewerbshemmnissen
4. Der Mobilität der Ressourcen

Das Oligopol der MPPC

Der erste Versuch, den freien Wettbewerb zu zerstören und ein Oligopol zu bilden, wurde mittels der Patente betrieben. Man versuchte, den Zugang fremder Firmen zu behindern, indem man ihnen durch Lizenzgebühren den Wettbewerb erschwerte. Um das System durchzusetzen, sollte zudem eine hohe Marktdurchdringung erfolgen. Auf ihrem Höhepunkt kontrollierte die MPPC via Lizenz den Großteil der Kinos. Auch der Zugang zu Filmmaterial war nicht ohne Lizenz möglich, da Eastman Kodak einen Exklusivvertrag mit der MPPC geschlossen hatte. Der Edison-Trust attackierte also vor allem die Punkte 2-4. Das System scheiterte endgültig mit der Annullierung der Edison-Patente durch den Obersten Gerichtshof der USA, aber sein Niedergang hatte schon wesentlich früher begonnen.

Reaktionen der „Independents

Den freien Zugang zum Filmmaterial erlangten die Independents durch den Bau eigener Kameras und durch die Aufhebung des Patents auf Rohfilme 1912. Und um mit dem Trust konkurrieren zu können, begannen sie, ihre Filme von denen der MPPC unterscheidbar zu machen. Hierbei entstanden der Feature Film und das Starsystem?. Die MPPC war zwar nicht blind gegenüber diesen Neuerungen, auch sie drehte Feature Films, aber durch ihre Struktur und vor allem durch ihre Kundenstruktur, war sie nicht in der Lage, mit diesen neuen Instrumenten zu experimentieren. Der Trust wollte Massenware verkaufen um eine bestimmte Marge zu erwirtschaften. Teure Stars hätten nur die Kosten hochgetrieben, und Feature Films bargen ein nicht zu unterschätzendes Risiko, für das die Kunden des Trusts nicht aufkommen wollten. So konnten die„Independents“den ersten Punkt des freien Wettbewerbs unterhöhlen und einzigartige Filmerlebnisse statt austauschbarer Produkte bieten, was dem Publikumsinteresse deutlich entgegen kam und vor allem finanzkräftigere Mittelschichten erschloß. Der Feature Film kommt ca. 1909 auf, wird aber nur von den Independents ernsthaft weiterentwickelt, beispielsweise von [Famous Players]?, die später nur noch Features produzieren. Famous Players sind auch die erste Gesellschaft, die das Starsystem konsequent nutzt, nach früheren Versuchen, z.B. von I.M.P.

Schritte der Rationalisierung

Distribution

Durch die oben genannten Schritte schaffen es die Independents, sich eine Position im Markt zu sichern und immer weiter auszubauen. Aber für nationales und internationales Wachstum fehlen ihnen effiziente Strukturen, zum Beispiel in der Distribution. Noch bis in die Mitte der 10er Jahre hält sich das alte States' Rights-System, in dem der Produzent lokale Franchise-Rechte an seinem Film an einen Distributor verkauft, der diese dann innerhalb seines festgelegten Gebiets an Kinos weiterverleiht. Diese Situation ändert sich erstmals 1914, mit der Fusion von elf regionalen Distributoren zu Paramount?, die als erste landesweite Rechte handelt. Durch ihre schiere Größe kann die Firma wesentlich kosteneffizienter arbeiten als die Mitbewerber, ganz abgesehen davon, daß diese System auch für die Produktionsfirma erhebliche Vorteile mit sich bringt. Das alte System kommt bis 1918 zum Erliegen.

Vertikale Integration

Kurz nach ihrer Gründung schließt Paramount Fünfjahresverträge mit Famous Players, Lasky und Bosworth ab, die später auf 25 Jahre verlängert werden. Hier zeichnet sich ein Trend ab, der 1914 zunehmend an Bedeutung gewinnt: Die Verflechtung der bisher getrennten Bereiche Distribution, Produktion und Vorführung. Ein Phänomen, das in der Fachliteratur als Vertikale Integration bezeichnet wird. Die Bindung durch die Fünfjahresverträge ist vorteilhaft für alle Beteiligten: Jeder profitiert vom Erfolg des anderen. Wenn das Lasky-Programm sehr gut ist, wird das Paramount-Sortiment von mehr Kinos gekauft, wovon auch Famous Players und Bosworth profitieren, da ihr Programm so auch eine größere Verbreitung findet. Die Kooperation führt dann auch, zwei Jahre später, zur Fusion der genannten und noch einiger weiterer Firmen.

Doch es lassen sich durchaus auch frühere Beispiele für vertikale Integration finden. So sind 1912 unter dem Namen Universal? erstmals alle drei Bereiche des Filmbusineß vereint. Es fehlte allerdings eine große First-Run-Kinokette. Dennoch schien der Branche die Fusion so bedrohlich, das die Gründung von Mutual? eine direkte Gegenmaßnahme darstellen sollte. Auch hier fanden sich viele Firmen unter einem Dach zusammen, aber es ging ihnen explizit nur um Distribution und Produktion. Auch [William Fox]? besitzt 1913 eine Distributions- und eine Produktionsfirma, die allerdings erst später zusammengeführt werden. Von Seiten der Kinokettenbesitzer ist zunächst wenig zu hören, erst 1915 schließen sich drei große Ketten, Rowland, Clarke und Mayer, zur [Metro Pictures Corporation]? zusammen, einer Produktionsgesellschaft.

Komplette Vertikale Integration

Die wirklich große Reaktion der Kinobesitzer kam erst 1917. Zu diesem Zeitpunkt war die fusionierte Paramount zur dominanten Gesellschaft geworden, die ihre Filme mittels Block-Booking? vertrieb. Das hieß, um einen Film mit einem Star vom Kaliber einer Mary Pickford zu bekommen, mußte man ein komplettes Paket erwerben, dessen große Mehrheit bestenfalls als durchschnittlich zu bezeichnen war. Andererseits konnte man dem Kauf der Pakete schlecht entgehen, wenn man nicht sein Publikum an ein anderes Kino verlieren wollte, das eben diesen Mary-Pickford-Film zeigte. Um dieses System zu durchbrechen, schlossen sich 26 der größten nationalen First-Run-Kinokettenbesitzer zum First National Exhibitors Circuit zusammen. Mit ihrer erheblichen Kaufkraft wollten sie gemeinsame Einkäufe tätigen und auch distribuieren. Zuerst war es das Ziel, Stars zu kaufen, ihre Filme zu finanzieren und im Gegenzug das Aufführungsrecht zu erwerben sowie das Recht, die entstandenen Filme regional weiterzuverleihen. Sehr bald kam auch eine eigene Produktion dazu. Zwischen 1917 und 1918 nahm First National Charlie Chaplin und Mary Pickford für jeweils eine Million Dollars unter Vertrag. Beide erhielten vollständige künstlerische Freiheit. First National kontrollierte zu diesem Zeitpunkt bereits ca 600 Kinos, 200 davon First-Run-Häuser.

Aus den First-Run-Kinos stammten bis zu 50 Prozent der Einnahmen der Produzenten, außerdem waren Kinos die verläßlichsten Geldverdiener im recht unsteten Filmgeschäft, da das Betreiberrisiko viel geringer war als beispielsweise in der Produktion. Darüber hinaus entschied der Erfolg in den First-Runs über eine lukrative Distribution.

Wenn Paramount also seine Abnehmer und sein Publikum nicht zu verlieren wollte, mußte ein Gegenschlag erfolgen. Also stieg die Gesellschaft, mit finanzieller Unterstützung des Bankhauses Kuhn, Loeb and Company ins Geschäft mit den Kinos ein, anfangs mit einer Summe von 10 Millionen Dollars. Somit wurde Paramount der erste vollintegrierte, oder komplett vertikal integrierte Filmkonzern.

Das zweite Oligopol

So wurden aus den alten Independents die Inhaber des zweiten Oligopols. Am Ende der 1910er Jahre war der erste Punkt des freien Wettbewerbs durch Starsystem und Feature-Filme außer Kraft gesetzt, der zweite Punkt durch die schiere Größe der Unternehmen: Weniger als zehn Firmen kontrollierten über 50 Prozent des Marktes. Durch die Vereinigung der Distribution und durch den beginnenden Kampf um die Kinos waren auch die letzten beiden Bedingungen für den Wettbewerb ausgehebelt. Eine neue Firma hätte weder einen genügenden Zugang zu den Kinos, noch Zugriff auf die Stars, also auf die essentiellen Ressourcen der Filmproduktion erhalten. Auch waren die Produktionskosten stark gestiegen. Zwischen 50.000 und 100.000$ pro Film waren normal, nach oben gab es keine Beschränkungen. Ein Großteil dieses Geldes floß in die Taschen der Stars, der Rest wurde in bessere Ausstattung investiert, eine weitere Hürde für Neueinsteiger.

Um dem Trend zu höheren Gagen entgegenzuwirken, und um, wie später in einer Anhörung des Obersten Gerichtshofs bekannt wurde, ein Monopol zu errichten, planten First National und Paramount Fusion im Wert von 40 Millionen Dollars. Er war geplant, mit jedem bedeutenden Kinobesitzer der USA einen Fünf-Jahres-Vertrag abzuschließen. Die Stars hätten dann keine Grundlage mehr für irgendwelche Forderungen gehabt.

United Artists

Die Pläne zu diesem Merger wurden von einem Privatdetektiv aufgedeckt, der im Auftrag von Charlie Chaplin, Mary Pickford, [Douglas Fairbanks]? und D.W. Griffith herausfinden sollte, warum weder First National noch Paramount ihre Verträge verlängerte. Natürlich waren sie entsetzt über solche Aussichten, und beschlossen, dem entgegenzuwirken, indem sie ihre eigene Firma gründeten.

1919 entstand [United Artists]? als Gesellschaft für den Filmvertrieb. Finanziert wurde das Unternehmen durch die Morgan-Gruppe, sowie durch eine Einlage von 100.000$ für Vorzugs-Anteilscheine durch die Eigentümer. Daneben existierten auch normale Anteilscheine, bei deren Weiterverkauf United Artists ein Vorkaufsrecht hatte. Die Gesellschaft hatte keine eigenen Studios, sondern nutzte die Studios seiner Mitglieder. Sie war errichtet worden als reine Dienstleistungsgesellschaft, die nicht auf Rendite arbeiten sollte, sondern den Besitzern größtmögliche Autonomie und größtmögliche Profite aus dem Geschäft mit ihren Filmen. Es gab kein Block-Booking, jeder Film wurde individuell vertrieben, und mußte allein durch seine künstlerischen Qualitäten überzeugen. Die Verleihgebühren der United Artists lagen deutlich unter denen von First National und Paramount, stellten also eine erhebliche Bedrohung für die marktbeherrschende Stellung der beiden dar.

Der Kampf um die Kinos

Die Fusion der beiden Giganten war gescheitert, auch, weil ihr wichtigstes Kapital, die Stars, sich auf und davon gemacht hatte. First National war also immer noch Konkurrent Paramounts, und die United Artists mit ihren qualitativ sehr hochwertigen Filmen und ihrer enormen Beliebtheit brachten die Firma weiter in Bedrängnis. Also versucht Paramount das, was man heute eine feindliche Übernahme nennen würde: Stück für Stück werden die in der First National zusammengeschlossenen Kinoketten aufgekauft. Auch andere Firmen versuchen nun, Kontrolle über die First-Run-Häuser zu erlangen, sogar United Artists sieht sich später, 1924, mangels Abnehmern gezwungen, eine eigene Kette zu gründen. Wie auch schon in der Vergangenheit, wurden die Kämpfe um die Kinos mit harten Bandagen ausgetragen, vor allem Paramounts "dynamite gang", manchmal auch„"wrecking crew"“ genannt, wurde ihrem Ruf gerecht.

Die internationale Situation nach 1918

Als der Krieg in Europa vorbei war, und die Menschen in den abgeschnittenen Ländern wie Deutschland erstmals wieder Hollywood-Produktionen zu sehen bekamen, erlebten sie einen wahren Quantensprung in der Qualität. Die einheimische Industrie, die vier Jahre lang gelitten hatte, und zudem mit viel geringeren Budgets zu kämpfen hatte, konnte der Konkurrenz aus Amerika nur selten etwas entgegensetzen. Bis zu 80% der weltweiten Filmproduktion stammten aus Hollywood. Seit 1917 beginnen amerikanische Firmen, ihre Gewinnschätzungen auf der Basis von in- und ausländischen Verkäufen zu schätzen. Aus dieser Gewinnschätzung ergab sich das Budget der Produktion, das dann natürlich höher wurde, was für die ausländische Konkurrenz doppelt schlecht war. Die Produktionskosten eines Filmes wurden in den USA amortisiert, und später wurden die Filme billig im Ausland angeboten, wodurch die nationale Konkurrenz nicht mehr mithalten konnte. Amerikanische Filme waren qualitativ besser und im Erwerb trotzdem günstiger als nationale Produktionen. Auch waren die Infrastruktur und die Rationalisierung der Produktionsabläufe nirgends so weit gediehen wie in Hollywood, ein Resultat auch des wachsenden Einflusses der Banken.


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